26
Feb
2012

Wo die Spinnerin spann und der Henker hängte



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Jeder, der seit Jahrhunderten auf der Hauptrichtung nach Süden Wien verlässt, kommt auf der Triester Straße hiervorbei.

Viele
Wiener kennen die rührende Sage von der Frau, die an dieser Stelle auf
ihren, zum Kreuzzug aufgebrochenen Mann wartete und sich spinnend die
Wartezeit vertrieb.
Auch andere Wiener Sagen knüpfen sich an diese Säule.
Herzog
Leopold der III.ließ 1375 zum Dank für die so sehnlich erwünschte
Länderteilung zwischen ihm und seinem Bruder Albrecht III.an dieser
Stelle eine Denksäule von Meister Michael Weinwurm setzen und weihte sie
der Mutter Maria als Beschützerin und Verteidigerin seiner Lande.
1446
wurde sie durch Hunyadys Schar zerstört, die Stadt Wien ließ aber an
gleicher Stelle durch Dombaumeister Hans Puchsbaum 1452 die prachtvolle
Denksäule errichten: 4 000 Ziegeln aus dem Wienerberggebiet wurden in
den Grund gesenkt, um Standfestigkeit zu erreichen, Diese achteckige
Säule war meilenweit zu sehen. Warum gerade diese Stelle ausgewählt
wurde, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass im Mittelalter ungefähr
bis hierher der Wiener Burgfrieden - also die Rechtshoheit der Stadt -
reichte.

Dafür spricht auch, dass die Säule ursprünglich dem
Heiligen Crispin, dem Beschützer der Grenzen geweiht war und u.a. auch
"Krispinkreuz" hieß.
Ab 1671 wurde sie schon Spinnerin am Kreuz
genannt - und in der Geschichte oftmals restauriert. Im 2. Weltkrieg
wurde sie geringfügig beschädigt ... die Figurengruppen waren aber in
Sicherheit und sind im Favoritner Heimatmuseum zu besichtigen.

Diese Säule hatte aber auch noch eine andere Benennung: "Kreuzspinne", Marterkreuz", denn wahrscheinlich ihr gegenüber stand
.Jahrhunderte lang - bis zum Jahr 1747 - (quasi am Stadrand) eine der wichtigsten Hinrichtungsplätze.
Dann wurde diese bis 1804 zum Rabenstein ( vor dem alten Schottentor) verlegt, bis sie wieder 1804 nach Favoriten kam.
Am 31. Mai 1868 ... zur Zeiten Kaiser Franz Josefs - fand hier die letzte Justifizierung statt- an dem Raubmörder Georg Rattke.

Und ungefähr so sah eine Hinrichtung noch im 18.und 19. Jahrhundert aus:

Im
Vorbau der Schranne auf dem Hohen Markt ( Innere Stadt) wurde bis 1850.
nach altem Brauch feierlich das Urteil gesprochen.Dabei wurde "der
Stab über dem Haupt des Delinquenten gebrochen" . In der ganzen Stad
herrschte Volksfeststimmung und feierlich zog man dann vor die Tore der
Stadt - zur Spinnerin am Kreuz. Die Wiesen und Felder ringsum waren mit
bis zu 40 000 Schaulustigen besetzt , die zum Teil hier sogar
übernachteten, damit ihnen nichts entging.Es gab sogar eigenen
"Galgenbrezeln" als Labung.
Ab 1735 stellten die Buchdrucker ein
Doppelblatt des Verbrechers/der Verbrecherin her, mit den hargenauen
Schilderungen der Tat .

Der Verurteilte wurde auf dem
"Malefizwagen" aus der Stadt geführt. Ein Priester begleitete ihn. im
17. und 18. Jahrhundert gab es eine eigene Totenbrüderschaft, die dafür
sorgte, dass die Leichen auf den "Armensündergottesacker " auf der
Wieden - in der Nähe der Karlskirche- bestattet wurden.

Josef II
löste die Totenbrüderschaft auf und setzte einen "Galgenpater" ein, der
nach der Bestattung an das Volk eine Predigt halten musste.


Quellen: "Wien wie es war, Richard Groner, Verlag der Walsheim-Eberle Ag, Wien, Leipzig, 1922
"Favoriten" Werner Schubert, Bezirksmuseum Favoriten , Eigenverlag, 1992

Bildmaterial Google-Bild: freigestellt, weil Schutzfrist vorbei


Mir ist heute so nach meinem Beruf *grins*

nein, nein, Henkerin war ich nur metaphorisch, real eher nicht, obwohl so manche beherzte Henkersfrau ihrem " feigen" Mann bei Kopf-ab- Befehl half......
Jossele - 27. Feb, 11:21

Na ja, mit der Henkerei war es 1868 ja noch nicht vorbei.
Karl Sellinger und danach sein Gehülfe, der legendäre Josef Lang haben bis 1918 munter weitergehhenkt, allerdings eben nicht mehr bei der Spinnerin.
1933, nach Wiedereinführung der Todesstrafe, wurde der Neffe Josef Langs, Johann, Henker, da er schon als Jüngling dem Onkel assistierte und so die nötigen Erfahrungen hatte.
Allerdings wurden ihm die Vollstreckungen nach dem Juliputsch (1934) zum Verhängnis, weil nach 38 kam das nicht mehr so gut wenn man Nazis aufgehängt hat, und so hat letzte Spross einer glorreichen österreichischen Henkersgeschichte den ersten Transport nach Dachau nur um wenige Wochen überlebt.

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